Engelsberger 

(Alte Sorten)


Nach der Oberlieferung ist es ein Zufallssämling, der im Raum Öhringen (Hohenlohekreis, Baden-Württemberg) entstanden ist bzw. dort gefunden wurde.
Schüttelreife: Mitte-Ende September bis Anfang Oktober.
Verwertungsreife: September bis Mitte Oktober (im Anschluss an die Ernte).
Polleneigenschaften: Unbekannt
Standortansprüche: Unter den natürlichen Bedingungen der Öhringer Bucht eine leistungsfähige Mostapfelsorte. Da der Streuobstbau dort grossenteils auf die vom Keuper beeinflussten Standorte (mässig frische oder schwach wechseltrockene, mittelmässig fruchtbare Keupertonböden in warmen bis mässig warmem Klima und in wenig bis mässig spätfrostgefährdeter Lage) abgedrängt worden ist, liegt der Schluss nahe, dass die Ansprüche an Feuchtigkeit und Durchlüftung des Bodens nicht gerade hoch sind. Die Blüten werden als frosthart bezeichnet ' was durch die sehr späte Blütezeit mitbedingt sein dürfte. Weitere ökologische Erfahrungen fehlen noch.
Baum: Die Sorte hat einen mittelstarken Wuchs, setzt verhältnismässig früh mit dem Fruchten ein und bringt dann regelmässig hohe Erträge, die an diejenigen der Sorte 'Hauxapfel' heranreichen. Meist bilden sich lange und etwas dünne Triebe; fruchttragende Äste kippen häufig und lockern auf diese Weise die Krone auf. Holz und Laub sind gegenüber pilzlichen Krankheiten wenig empfindlich.
Fruchtgrösse und Form: bis allenfalls mittelgross; mittelbauchig bis stark abgeflacht (platt), gleichmässig.
Farbe und Beschaffenheit der Schale: Zunächst gelblichgrün, vollreif gelb bis goldgelb (sonnenseitig) bzw. wachsgelb (schattenseitig); glatt, aber nicht wachsig, Lentizellen als grüne Punkte oder kleine Roststerne, letztere können rissig werden, neigt zu Lentizellenröte, schwache netzartige Berostungen kommen vor; hart.
Kelch: Geschlossen (in der Regel), klein bis mittelgross.
Kelchgrube: Flach bis mässig eingetieft, mässig weit bis eng, häufig schwach berostet.
Stiel: Mittellang, dünn.
Stielgrube: Tief, weit, meist strahlig berostet.
Kernhaus: Mittelgross; gleichmässig, Samenfächer fast geschlossen, Achsenhöhle sichtbar, herzförmig, neigt zu Verbräunungen; zahlreiche und regelmässig verteilte Kerne.
Fruchtfleisch: Cremefarben bis weisslich; saftig, kurz, grobzellig und locker.
Geschmack: Säuerlich, aber nicht unangenehm, mit Tendenz zu wässrig, wenig Aroma.
Anbau und Markt: Die frühe Reife, das sehr günstige Zucker-Säure-Verhältnis von 9:1 und das überdurchschnittliche Ertragsvermögen machen 'Engelsberger' zu einer beachtenswerten Mostapfelsorte. Der sehr späten Blüte ist im Anbau durch ebenso spät blühende Sorten mit guten Polleneigenschaften Rechnung zu tragen. Die Lokalsorte 'Heslacher Luiken' hat sich dafür bewährt. Nach der Ernte reifen die Früchte ziemlich rasch, so dass eine baldige Verarbeitung der leicht fallenden Äpfel zweckmässig ist. Dies ist nicht nur wegen schlechter werdender Saftigkeit bzw. Saftausbeute, sondern auch wegen zunehmendem Befall durch Fruchtfäulen anzuraten.
Typen: Von 'Engelsberger' sind keine Typen bekannt.

Bild und Text: "Apfelsorten 1975". Robert Silbereisen, Ulmer Verlag.

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