| Diwa ist das Ergebnis der Apfelzüchtung der Eidgenössischen
Forschungsanstalt Wädenswil (FAW). Die Sorte stammt aus der Kreuzung eines
Sämlings aus Idared x Maigold mit der Sorte Eistar. Ein neuer Apfel, der rundum
den Bedürfnissen von Produktion, Handel und Konsumenten entspricht. Attraktiv
rot, mittelgross, regelmässig, knackig, saftig, aromatisch und gut lagerfähig.
Die Neuheit reift kurz vor Golden Delicious, mit einem grossen Erntefenster.
Der Baum wächst mittelstark, beginnt früh zu tragen und bringt gute und
regelmässige Erträge. Die Sorte weist eine mittlere Anfälligkeit gegen Schorf
und Mehltau auf. Diwa wird nach einer umfassenden Selektions- und
Entwicklungszeit als Sorte lanciert. Sie kommt als Ersatz für die Sorten ldared
und Elstar in Frage.
|
|

Die neue Apfelsorte wurde 1982 durch das damalige Züchterteam Alfred Aeppli und
Ueli Gremminger an der FAW gekreuzt und anschliessend unter Beteiligung vieler
Spezialistinnen und Spezialisten unter der Zuchtnummer FAW 5878 selektiert.
Ziel war es, eine Innovation für den Schweizer Obstbau zu schaffen und eine
Sorte hervorzubringen mit besten Fruchteigenschaften, hoher Akzeptanz bei den
Konsumenten und insbesondere guter Lagerfähigkeit, aber auch reduzierter
Anfälligkeit gegen die am weitesten verbreiteten Krankheiten Schorf und
Mehltau.
Qualität und Lagerfähigkeit - Zuchtziele von 1982
Mit Weitblick wurden 1982 als Ziel einer grösseren Kreuzungsserie qualitativ
hochwertige Lagersorten anvisiert (Aeppli 1984, Kellerhals 1991). Von den 6727
Sämlingen wurden 1102 aufgrund vegetativer Merkmale für die erste Prüfungsstufe
ausgelesen; später gelangten 48 Zuchtnummern in die zweite Stufe. Diwa ist
bisher als Spitzensorte dieser Serie erkoren worden. Diwa erfüllt die modernen
Anforderungen an eine erfolgreiche Sorte: Sie ist festfleischig, saftig und
bestens lagerfähig. Die Früchte sind von optimaler mittlerer Grösse und
attraktiv leuchtend rot gefärbt.
Ernteterminversuche an der FAW zeigen, dass Diwa bezüglich Pflückzeitpunkt eine
beachtliche Flexibilität aufweist, nicht zuletzt dank der früh einsetzenden
Rotfärbung. Gut bewährt haben sich die späteren Pflücktermine kurz vor Golden
Delicious (Tab. 1 und 2). Dank geringem Abbau von Festigkeit und Säuregehalt bei der
Lagerung kann über Monate eine hervorragende Qualität angeboten werden. Ein
sofortiger Konsum direkt nach der Ernte scheint jedoch nicht ideal, die Früchte
verbessern sich noch geschmacklich in den Wochen nach der Ernte. Verglichen mit
der Vatersorte Elstar weist Diwa ein ausgewogeneres Zucker/Säure-Verhältnis,
bessere FruchtfleischWestigkeit und ein besseres «shelf-life» auf. Einladend
für die Konsumentinnen und Konsumenten ist auch die gelb-grüne Grundfarbe, die
den berechtigten Eindruck von Frische und Knackigkeit vermittelt.
Nach bisherigen Erkenntnissen ist Diwa für die ULO-Lagerung geeignet. Tiefe
Temperaturen und geringe O2-Gehalte scheinen keine Probleme zu verursachen,
eine CO2-Empfindlichkeit wurde bisher nicht beobachtet. Weitere Untersuchungen
sind aber notwendig und vorgesehen.
Konsum
Tests in Fachgremien und mit Konsumenten haben gezeigt, dass Diwa stets gut
aufgenommen wird. Die knackig-saftige Frucht mit dem fruchtigen und
nachhaltigen Aroma kommt bei breiten Konsumentenkreisen bestens an. Diwa ist
eine Sorte, die voll den aktuellen Geschmack trifft. In der Westschweiz (Sion)
und der Ostschweiz (Wädenswil) waren die Konsumentinnen und Konsumenten ebenso
überzeugt von Diwa wie in Nord- (Essen) und Süddeutschland (Friedrichshafen).
An der OGA Friedrichshafen wurde die Sorte von den Besucherinnen und Besuchern
als wesentlich saftiger, fruchtiger und optisch ansprechender als Golden
Delicious bewertet. Verglichen mit Golden Delicious wurde Diwa als etwa gleich
süss, aber etwas säuerlicher eingestuft. Im Urteil der Testpersonen unterschied
sich Diwa von Golden Delicious vor allem durch eine höhere Festigkeit und
Saftigkeit.
 Produktion
Diwa ist einfach zu produzieren. Der Wuchs ist mittelstark, die Fruchtäste
leicht hängend. Die Neuheit garniert gut. Diwa ist kein Massenträger: Die
Erträge liegen etwas unter dem Niveau von Golden Delicious und Gala und sind
regelmässig. Eine leichte Stippeanfälligkeit ist zu beachten. Gegenüber Schorf
und Mehltau weist Diwa eine mittlere Anfälligkeit auf. In Gewächshausversuchen
mit künstlicher Schorfinfektion zeigte Diwa in einem Vergleichstest von 19
Sorten eine beachtliche Widerstandsfähigkeit und war nur unwesentlich
anfälliger als Discovery (Kellerhals und Furrer 1994). Auch im Freilandversuch
ohne Fungizidbehandlung schneidet Diwa gut ab. Eine gewisse
Feuerbrandanfälligkeit ist in einem Gewächshausversuch in Angers, Frankreich,
festgestellt worden. Sie kann aber noch nicht schlüssig eingestuft werden;
weitere Tests sind im Gange.
Vermehrung und Lizenzierung
Diwa ist zum Sorten- und Markenschutz angemeldet und darf nur mit Erlaubnis der
Lizenzinhaber vermehrt werden. Generallizenznehmerin in der Schweiz ist die DSP
AG in 1567 Delley. Virusfreies Vermehrungsmaterial ist vorhanden. Die Sorte
soll versuchsweise und koordiniert für den Detailhandel angebaut werden. Für
den Lokalmarkt und im Direktverkauf ist der Anbau mit Produzentenvertrag
ebenfalls zulässig.
Interesse in der Schweiz und international
Diwa stösst in der Schweiz und international auf Interesse. Führende
Handelsbetriebe in der Schweiz und Pioniere in der Produktion geben der Neuheit
gute Chancen. Diwa wurde schon früh zur Prüfung an ausländische Institute und
an die europäischen Lizenzpartner unter Experimentiervertrag abgegeben. Die
Rückmeldungen sind erfreulich und das Interesse an der Sorte ist steigend.
Insbesondere im mittleren und nördlicheren Europa ist der Bedarf für eine gut
haltbare, qualitativ hochwertige Sorte mit Reifezeit vor Braeburn, Fuji und
Pink Lady vorhanden.
Ernte und Lagerung

Dank
Die Selektion und Entwicklung einer neuen Apfelsorte ist eine umfassende
Aufgabe, an der die verschiedensten Personen mitbeteiligt sind. Wir danken
allen Beteiligten aus Forschung, Produktion, Handel, Verkauf und Marketing für
die gute Zusammenarbeit, ihr Engagement und ihr Interesse.
|
|
| Literatur |
Aeppli A.: Rückblick und Ausblick auf die schweizerische
Apfelsortenzüchtung. Erwerbsobstbau 26, 56-62, 1984.
Baab G. und Zimmer J.: Aktuelle Entwicklung des Apfelsortiments aus
rheinland-pfälzischer Sicht. Mitteilungen OVR 47, 94-105, 2002.
Kellerhals M.: Apfelzüchtung in Wädenswil. Erwerbsobstbau 33, 219-224, 1991.
Kellerhals M. und Furrer B.: Approaches for breeding apples with durable
disease resistance. Euphytica 77, 31-35, 1994. |
|
Quelle von Bild und Text: SCHWEIZ. Z. OBST-WEINBAU Nr21/02
MARKUS KELLERHALS, ERNST HÖHN UND CORNELIA SAUER, EIDGENÖSSISCHE
FORSCHUNGSANSTALT WÄDENSWIL |